Artikel << Ruf nach Psychiatriereform >> im Stadtteil-Kurier vom 14.11.2019 von Anne Gerling

Fachverband fordert Erhalt des Rückzugshauses in Walle

Westend. Die Initiative zur Rettung des Rückzugshauses in Walle bekommt Unterstützung: Mit der Deutschen Gesellschaftfür Soziale Psychiatrie (DGSP) hat sich nun ein unabhängiger Fachverband zu Wort gemeldet, der sich für eine menschenrechtsbasierte psychiatrische Behandlung und Versorgung sowie bessere Lebensbedingungen für psychisch erkrankte Menschen einsetzt.

Der Bremer DGSP-Landesverband fordert von Politik und Krankenkassen, die 2004 von der Gesellschaftfür ambulante psychiatrische Dienste (Gapsy) an der Helgolander Straße eröffnete Einrichtung zu erhalten. Menschen in akuten psychischen Krisensituationen finden im Rückzugshaus Halt, können dort mit Psychiatern sprechen und auch übernachten. Das Angebot fällt bislang unter die freiwilligen Leistungen der Krankenkassen und muss wie berichtet voraussichtlich geschlossen werden, nachdem die Kassen ihre Verträge zum 31. Dezember gekündigt haben. Sollten neue Verträge abgeschlossen werden, so würden nach Einschätzung der DGSP die von den Krankenkassen aktuell veranschlagten Kostensätze nicht ausreichen.

Die DGSP sieht einen Widerspruch zu den Vorschlägen, die in der vergangenen Legislaturperiode von den politischen Gremien zur Reform der Versorgung psychisch Erkrankter gemacht worden waren. Im Kern seien dies der Ausbau ambulanter Angebote und der Abbau von stationären Behandlungsplätzen. Den Kassen hingegen gehe es um Personal- und Kosteneinsparungen, die Zentralisierung von Dienstleistungen und mehr Therapie-Kontrolle: „Wir als DGSP Bremen halten dieses Konzept für absolut ungeeignet besonders für Menschen in psychischen Krisensituationen. Es widerspricht nicht nur den (…) Vorstellungen der politischen und der Fachgremien. Es widerspricht auch absolut den Bedürfnissen der Erkrankten nach vertrauensvoller Betreuung durch möglichst eine konstante Bezugsperson und gegebenenfalls ein multiprofessionelles Team.“

Anstatt ein „honorargetriebenes, nachwirtschaftlichem Kalkül geleitetes, kontaktfeindliches“ Modell voranzutreiben, müsse das „in Fachkreisen bundesweit als sehr innovativ geschätzte“ Rückzugshaus erhalten und außerdem das im Januar von der damaligen Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt(SPD) vorgelegte Strategiepapier Psychiatriereform zeitnah umgesetzt werden.

Foto: Heiko Schwarting
Auch dies soll im Rückzugshaus Halt geben: gemeinsam kochen.

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